Ilse Arlt

Ilse Arlt

1876, Wien – 1960, Wien

Ilse von Arlt besuchte Vorlesungen in Sozialökonomie und überlegte, wie Armut verhindert werden kann. Sie setzte sich für eine Ausbildung von Frauen im Sozialbereich ein. So gründete sie 1912 die erste Fürsorgeschule Österreich-Ungarns, die „Vereinigten Fachkurse für Volkspflege“, und veröffentlichte die ersten Fachbücher. International war sie gut vernetzt, vor allem mit deutschen und britischen Kolleginnen.

Ilse Arlt wurde aufgrund der jüdischen Herkunft ihrer Großeltern mütterlicherseits verfolgt. Ihre Schule wurde vom NS-Regime geschlossen. Heimlich stellte sie Schülerinnen noch rasch Zeugnisse aus, die ihnen im Exil helfen konnten. Sie überlebte durch Unterstützung ihrer Schülerinnen und ihrer Brüder. Die letzten Kriegsjahre lebte sie mit ihrem verwitweten Bruder und dessen Sohn in Klagenfurt.

Nach dem Krieg nahm sie die Leitung der Fürsorgeschule wieder auf, musste sie jedoch 1948 aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen schließen. 1954 erhielt sie den Dr.-Karl-Renner-Preis. Ihre Bedeutung für die Sozialarbeit wurde erst Jahrzehnte später wiederentdeckt. Heute gilt Ilse Arlt als Pionierin der wissenschaftsbasierten Sozialarbeit in Österreich.

Link zur Lebensgeschichte von Ilse Arlt im Buch: Pionierinnen und Grenzgängerinnen Sozialer Arbeit. 80 Biografien verfolgter Fürsorgerinnen in Wien (2026), 27-32.