
Ausstellung
Die Ausstellung “Brüche in der Geschichte der Sozialen Arbeit. Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus in Wien”, kuratiert von Irene Messinger, ist von 4. Mai bis 30. September am Verteilerkreis.Favoriten (mittendrin.wien) zu sehen.
Die Mehrheit der Wiener Fürsorgerinnen im Nationalsozialismus verhielt sich regimetreu. Zahlreiche ihrer Kolleginnen wurden entrechtet, entlassen, zur Flucht gezwungen oder ermordet und nur eine Minderheit war im Widerstand aktiv. Jüdische Vereine wurden aufgelöst, viele Vertreter:innen von fortschrittlichen Initiativen wie reformpädagogischen Ansätzen wurden vertrieben. Zugleich wurde die Fürsorge in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt. Die Profession der Sozialen Arbeit erlitt durch die Politik des faschistischen Regimes einen Bruch: Wissen, Ausbildungen und Institutionen wurden zerstört, viele nach dem Krieg nicht wieder gegründet.
Diese Ausstellung portraitiert acht Frauen, drei, die für die Professionsentwicklung bedeutsam waren (Ilse Arlt, Else Federn, Franzi Löw), und fünf, die einen Bezug zu Favoriten hatten und im Widerstand aktiv waren, die bislang kaum jemand kannte: Hilde Böhmer, Emanuela Kielmansegg, Leopoldine Kummer, Elfriede Lichtenberg und Hedy Schwarz.
Diese Ausstellung basiert auf mehrjähriger Forschung zur Geschichte der Sozialen Arbeit zwischen 1934 und 1945. Die Kuratorin der Ausstellung, Irene Messinger, ist Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule Campus Wien. Für ihre Habilitation am Institut für Zeitgeschichte hat sie 80 Lebensgeschichten verfolgter Fürsorgerinnen rekonstruiert. 8 von diesen 80 Biografien werden in der Ausstellung vorgestellt.
Grundlage der Recherchen waren Personalakten der Stadt Wien, Dokumente aus Archiven in Österreich und im Ausland, zeitgenössische Publikationen, Briefe sowie Erinnerungsberichte von Zeitzeuginnen, Nachkommen und Freundinnen.
Die Ausstellung lädt dazu ein, über Verantwortung, Handlungsspielräume und ethische Grundlagen des Berufs nachzudenken – damals wie heute. Die Forschung wurde von der Hochschule Campus Wien, dem Zukunftsfonds und dem Nationalfonds der Republik Österreich und ein Wissenschaftsstipendium der Stadt Wien (MA7) gefördert. Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Raum-Zwischennutzungsprojekt mittendrin.wien umgesetzt.
Die wissenschaftliche Publikation besteht aus 2 Bänden: Band 1 beschreibt die historischen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen der Fürsorge in Österreich. Band 2 stellt die 80 Biografien mit vielen Fotos und Dokumenten vor.
Verfolgung und Widerstand von Fürsorgerinnen aus Wien 1934-45. Kollektivbiografische Studie zur Geschichte Sozialer Arbeit (Band 1 >>>)
Pionierinnen und Grenzgängerinnen der Sozialen Arbeit. 80 Biografien verfolgter Fürsorgerinnen aus Wien (Band 2 >>>)
Photo Copyright links nach rechts:
Elfriede Lichtenberg, vor 1938,Wien, Privatarchiv Ruth Contreras.
Hedy Schwarz im Kindergarten Goethehof, ca. 1932-1934, Privatarchiv Zoe Doye.
4.5. Ausstellungseröffnung





