Hedy Schwarz
1902, Wien – 1991, London
Hedwig Schwarz, die sich Hedy nannte, war ausgebildete Fürsorgerin und arbeitete zwei Jahre lang in einem Lehrmädchenheim. Danach engagierte sie sich im „Haus der Kinder“ von Lili Roubiczek, der ersten Montessori-Einrichtung für Kinder von Arbeiter:innen in Wien. In der Troststraße 98 in Favoriten lebte und lernte sie gemeinsam mit anderen Schülerinnen. 1927 absolvierte sie in Mailand und London die Ausbildung zur Montessoripädagogin. Sie leitete ab 1932 im Goethehof den ersten städtischen Montessori-Kindergarten, den sie architektonisch auch mitgestalten konnte. 1934 wurde Hedy Schwarz als Sozialdemokratin gekündigt und der Kindergarten wurde zerstört. Folglich gründete sie einen Privatkindergarten.
1938 musste sie als Jüdin fliehen, sie entkam nach England. In London organisierte Anna Freud ein Kriegskinderheim für traumatisierte Kinder und ab 1941 arbeitete Hedy Schwarz dort als Kindergartenleitung. Sie machte eine Ausbildung in Psychoanalyse und wurde1943 Mitglied der renommierten „British Psychoanalytical Society“. Beruflich war sie sehr erfolgreich: Sie hielt viele Vorträge auf internationalen Konferenzen und publizierte mehrere Artikel. Sie adoptierte zwei Mädchen und tauschte sich mit Anna Freud über deren Aufwachsen aus.
Die bisherigen Nachschlagewerke würdigten Hedy Schwarz ausschließlich als britische Psychoanalytikerin, ohne ihre frühe berufliche Identität als Fürsorgerin und Reformpädagogin aus Wien zu berücksichtigen.
Link zur Lebensgeschichte von Hedwig Schwarz im Buch: Pionierinnen und Grenzgängerinnen Sozialer Arbeit. 80 Biografien verfolgter Fürsorgerinnen in Wien (2026), 441-450.
