Leopoldine Kummer
1903, Wien – 1969, Wien
Leopoldine Kummer, mit dem Rufnamen Lisl, arbeitete ab 1926 als eine der ersten Hilfsfürsorgerinnen am Wiener Jugendamt. Sie war Mitbegründerin und im Vorstand von deren Fachverein. Zudem war sie als Bezirksrätin für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei tätig, bis diese 1934 verboten wurde. Als Gewerkschafterin vertrat sie die Interessen jener, die als Sozialdemokratinnen außer Dienst gestellt wurden, wie Else Schüssel im Jahr 1937.
Lisl Kummer wurde Teil eines kommunistischen Netzwerks von befreundeten Fürsorgerinnen, die eine jüdische Kollegin und ihren Ehemann, Else und Otto Schüssel, versteckten – ab März 1943 bis zur Befreiung. Sie mussten für sie über zwei Jahre lang heimlich Lebensmittel besorgen. Kummer wurde beim verbotenen Einkauf am Land erwischt und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Die Kollegin war in einer Gartenhütte in Inzersdorf versteckt und mit ihrem falschen Ausweis vermutlich auch in Favoriten unterwegs.
Nach 1945 war Lisl Kummer weiterhin politisch und gewerkschaftlich aktiv und blieb bis 1962 im Jugendamt beschäftigt. Privat lebte sie ab den 1950er Jahren mit ihrer Freundin und Kollegin, der Fürsorgerin Dora Hostowsky, zusammen. Beide Frauen wurden im selben Familiengrab beerdigt.
Link zur Lebensgeschichte von Leopoldine Kummer im Buch: Pionierinnen und Grenzgängerinnen Sozialer Arbeit. 80 Biografien verfolgter Fürsorgerinnen in Wien (2026), 259-264.
